Anlässlich mehrerer Presseanfragen zu den Branchenerwartungen zur FIFA WM erklärte DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin Jana Schimke:
“Die Fußball-Weltmeisterschaft ist aus sportlicher Sicht das wichtigste Turnier des Weltfußballs und bietet auch unseren Gastronomen vielfältige Chancen. Denn nichts geht über das gemeinsame Mitfiebern und Feiern in Kneipen, Restaurants oder Biergärten – ein echtes Erlebnis im Vergleich zum Alleine-Schauen auf dem Sofa. Die wirtschaftlichen Effekte der WM für unsere Branche hängen jedoch von vielen Faktoren ab.
Fest steht: Nicht alle Betriebe unserer heterogenen Branche werden gleichermaßen profitieren. So kann es auch zu Verdrängungseffekten kommen. Wenn ein Betrieb Fußballübertragungen anbietet, bleiben Gäste, die kein Interesse am Spiel haben, möglicherweise fern. Zudem kommt es darauf an, zu welchen Uhrzeiten die Spiele stattfinden – und wie weit die deutsche Nationalmannschaft kommt. Das erste Spiel der deutschen Mannschaft beginnt um 19 Uhr deutscher Zeit, die beiden weiteren Partien der Gruppenphase um 22 Uhr. Andere Begegnungen werden um 18 oder 21 Uhr angepfiffen, während einige Spiele für deutsche Fans sogar mitten in der Nacht stattfinden. Auch das Wetter spielt eine wichtige Rolle: Bei Regen ist die Lust auf Public Viewing mit Speisen und Getränken im Freien verständlicherweise geringer als an lauen Sommerabenden.
Der DEHOGA Bundesverband hat sich auf Bundesebene erfolgreich erneut für eine sogenannte „Public-Viewing-Verordnung“ eingesetzt. Sie ermöglicht es Kommunen, während des Turniers Ausnahmen von den Lärmschutzregelungen zuzulassen und Veranstaltungen auch nach 22 Uhr zu genehmigen. Die finale Entscheidung darüber trifft die jeweilige Kommune.
Zugleich ist auch klar: Solche Public-Viewing-Angebote müssen wirtschaftlich sorgfältig kalkuliert werden. Neben organisatorischem Aufwand entstehen je nach Umfang zusätzliche Kosten, beispielsweise für Übertragungstechnik, Personal – und Lizenzierungen. Tatsächlich ist zu berücksichtigen, dass gastronomische Betriebe für die öffentliche Übertragung der Spiele aufgrund der aktuellen Rechtevergabe und der Kooperation zwischen Sky Deutschland und Deutsche Telekom – sofern noch kein entsprechendes Abonnement besteht – zusätzlich einen dreimonatigen „Sky GastroPass“ für rund 300 Euro erwerben müssen. Kritisch ist dabei, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF zwar einen Großteil der Spiele ebenfalls zeigen, aber über diese Sender die Ausstrahlung der WM-Spiele in gastronomischen Betrieben wie Restaurants, Bars und Hotels nicht automatisch erfolgen darf. Hinzu kommen Kosten für die Lizenzierungen seitens der Verwertungsgesellschaften wie der GEMA sowie – abhängig von der Größe der Veranstaltung beziehungsweise deren Finanzierung – Public-Viewing-Lizenzen der FIFA.“